Das habe ich noch nie vorher versucht. Also bin ich völlig sicher, dass ich es schaffe.
Pippi Langstrumpf (Astrid Lindgren)
Ansätze der Lerntherapie
Die Lerntherapie setzt da an, wo die Leistungsrückstände eingesetzt haben. Das kann auf unterschiedlichen Stufen des Schriftspracherwerbs sein. Einige Kinder kennen noch nicht alle Buchstaben, andere können Laut und Buchstaben einander nicht zuordnen oder es fällt ihnen schwer, Buchstaben zusammenzuziehen (zu synthetisieren) und somit Silben zu lesen.
Im Falle einer Dyskalkulie kann es sein, dass es einem Kind nicht gelingt, Mengen zu erkennen und diese einer Zahl zuzuordnen. Oder es kennt die Zahlen noch nicht sicher und hat Probleme beim Zählen. Vielleicht hat es auch den Anschluss verloren, als wichtige Rechenstrategien erarbeitet wurden...
Aufgabe der Lerntherapie ist es, herauszufinden, in welcher Phase die Schwierigkeiten eingesetzt haben und von dort mit dem Kind Stufe für Stufe, Schritt für Schritt weiterzugehen - in seinem individuellen Tempo. Lernerfolge können nicht erzwungen werden - das Kind gibt vor, wann es den nächsten Schritt gehen kann.
Phasen des Schriftspracherwerbs
Uta Frith, eine deutsch-britische Entwicklungspsychologin und Neurowissenschaftlerin, hat 1985 eine Stufeneinteilung des Schriftspracherwerbs entwickelt. In ihrem Modell gibt es vier Phasen des Schriftspracherwerbs. Nach und nach wurde es stark ausdifferenziert und ergänzt. Eine für den Ansatz der Lerntherapie erklärende Graphik zeigt die Sprachentwicklung des Kindes vom Erkennen von Buchstaben als "Gebilden" bis zum Schreiben unter Berücksichtigung der Grammatik- und Rechtschreibregeln.
Um unterrichtsrelevante mathematische Zusammenhänge verstehen zu können, müssen Kinder bis zum Schuleintritt gewisse Grundfähigkeiten haben. Sie sind entscheidend für die spätere mathematische Kompetenz. Gibt es Defizite bei den Vorläuferfähigkeiten, können diese durch Lerntherapie erworben werden.
Vorläuferfähigkeiten Mathematik
- Körperschema
- Orientierung im Raum
- visuelle Wahrnehmung
- Hörverständnis
- Auge- Hand - Koordination
- Grobmotorik
- Feinmotorik
- auditive Wahrnehmung
- Zählen
- Zahlwörter
- Reihenfolgen erkennen und fortsetzen
- sortieren und gruppieren
- simultane Mengenerfassung
- Vergleichen: mehr - weniger - gleich
- Einsicht in die Unveränderlichkeit von Mengen
- Einfaches Rechnen
Lernen mit Kopf Herz und Hand
Mit der Formel „Lernen mit Kopf, Herz und Hand“ beschrieb der Pädagoge Johann Heinrich Pestalozzi Ende des 18. Jahrhunderts, was aus seiner Sicht die Grundlage erfolgreichen Lernens ist: Die Anwendung möglichst vieler unterschiedlicher Sinne, um eine Verbindung von Denken, Fühlen und Handeln zu schaffen.
Lernmomente, die wir mit Emotionen in Verbindung bringen, prägen sich besonders tief in unser Gedächtnis ein. Dies liegt auch daran, dass zwischen den Hirnregionen, die für die Emotionen zuständig sind und denen der Gedächtnisbildung eine enge Verbindungen besteht. Aus diesem Grund erinnern wir uns lange und intensiv an Geschehnisse, die uns positiv oder negativ berührt oder sogar geprägt haben.
Wenn wir beim Lernen möglichst viele Sinne mit einbeziehen und das, was wir sehen, hören, worüber wir sprechen oder wozu wir uns bewegen als positiv empfinden, dann macht das Lernen Freude und weckt unsere Neugierde. Und die Lust, noch mehr zu lernen.
Lernen mit allen Sinnen
visuell
Informationen kann man über die Augen aufnehmen und sie anschließend verarbeiten. Dabei ist es wichtig, dass die Informationen logisch strukturiert, übersichtlich und optisch ansprechend aufbereitet sind. Eine Hilfe kann sein, wenn wichtige Informationen unterstrichen, farblich abgesetzt oder mit Hilfe von Skizzen erarbeitet und erlernt werden. Lernposter können eine Hilfe sein, um z.B. Vokabeln auswendig zu lernen oder Matheregeln zu verinnerlichen.
motorisch
Viele Menschen können nicht mehr als eine halbe Stunde am Stück am Schreibtisch sitzen. Sinnvoll ist es, diese Unruhe zum Lernen zu nutzen: ein Spaziergang im Wald, um ein Gedicht auswendig zu lernen oder der Weg von einer Zimmerecke in die andere zum Einprägen von Vokabeln. Oft hilft der Rhythmus der Bewegung dabei, sich Wörter oder Sätze zu merken. Spricht man dabei laut, verbindet man Motorik mit dem auditiven Lernen. So kann man etwa zum Lernen der 1x1 Reihen einen Ball hin und her werfen oder dabei Seilspringen. Gerade Menschen mit ADHS kommt dieses 'Lernen in Bewegung' zugute.
auditiv
Viele Menschen hören gerne zu, nehmen so Informationen mit den Ohren auf und verarbeiten sie. Nebengeräusche wie Musik beim Lernen kann für diese Menschen sogar hilfreich sein und motivieren. Wenn sie Lerntexte laut lesen, gelangen die Inhalte über das Ohr ins Gehirn. Auch das Aufnehmen von auswendig zu lernenden Texten, Vokabeln oder Gedichten mit Hilfe einer Tonaufnahme ist in diesem Fall empfehlenswert. Wird diese immer wieder abgehört und zusätzlich darüber gesprochen, kann der/die Schüler*in optimal lernen.
kommunikativ
Kommunikative Menschen lernen am liebsten in einer Gruppe von Gleichgesinnten, mit denen sie sich über den zu lernenden Stoff austauschen können. Durch die Diskussion, also die kommunikative Auseinandersetzung mit dem Lernstoff, können sie sich mit dem Thema innerlich gut verbinden und ihn sich besser merken. Partner- und Gruppenarbeit, Quiz-Spiele und gemeinsame Referate sind für sie die richtigen Methoden zum lernen.
personen-orientiert
Für alle Schüler*innen bzw. Lernende ist ein gutes Verhältnis zur Lehrkraft von großer Wichtigkeit. Das enge und vertrauensvolle Miteinander zwischen Lernendem und Lehrerin bzw. Therapeuten ist Motor und Motivator. Nur wenn auf beiden Seiten Sympathie da ist, kann sich der/die Lernende besser auf die Lerninhalte einlassen.
Dies ist immer ein wichtiges Kriterium für die gemeinsame Arbeit.
Wie lernen?
Es gibt nicht DEN Lerntyp - es ist die Kombination unterschiedlicher Methoden, die das Lernen abwechslungsreich macht und damit auch motivierend ist:
Lernen mit Kopf, Herz und Hand.